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Das #jpc12, ein Resümee

Es ist vollbracht, das erste JugendPolitCamp. Lange haben wir es mit Spannung erwartet, darauf jugendpolitcamphingearbeitet und es vorbereitet. Es ist nicht das erste Barcamp im ABC, aber das erste, was sich explizit an Jugendliche richtet, das macht und machte es für uns etwas Besonderes.

Drei Tage lang hat sich eine Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im ABC mit verschiedensten politischen Themen auseinandergesetzt und lebhaft diskutiert. Dafür wurde – dem Barcamp-Prinzip gemäß – jeden Tag das Programm von den Teilnehmenden selbst geplant und durchgeführt und in sog. Sessions (à 45 Minuten, teilweise auch länger) verschiedene Themen bearbeitet. Hier kann man nachlesen, was das genau bedeuten kann und was es eigentlich mit dem Prinzip Barcamp auf sich hat.

Aber ganz von vorne:

 

Vorbereitung
Das JugendPolitCamp (#jpc12) wurde von einer kleinen Gruppe von Jugendlichen mit Hilfe der Projektleitung von Netz-B organisiert. Das ist als Teil des Projektes Netz-B so geplant worden, um Jugendlichen Lernerfahrungen in Bezug auf die Organisation einer Veranstaltung zu ermöglichen, und um das Barcamp nach ihren Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten.

Vorbereitung bedeutet natürlich vor allem, das Event bekannt zu machen, aber auch, sich zu überlegen, wen man als Gäste einladen will, welches Abendprogramm man bietet, wo man die Veranstaltung überall bewerben kann und vieles mehr. All dies haben wir in der Gruppe abgesprochen und geplant.

Einer der wichtigsten (und oft auch am schwierigsten zu organisierenden) Bestandteile bei einem Barcamp hatten wir ja schon zu Verfügung: den Veranstaltungsort. Das ABC bietet ideale Bedingungen für ein Barcamp, da es viele verschiedene Räume gibt, in denen man arbeiten kann. Außerdem ist das Gelände sehr weitläufig, sodass jede/r eine Ecke für sich finden kann, wenn man mal Ruhe haben will. Auch sehr positiv für ein Barcamp ist für uns, dass die Gruppe vor Ort übernachtet und es deswegen viel Zeit zum Austausch gibt. Auch und gerade zwischen den Sessions und abends beim Lagerfeuer oder Essen entstehen ja manchmal die besten Ideen und spannende Diskussionen.

 

Ablauf

Freitag: Die Teilnehmenden sind am Freitagnachmittag angereist. Nach einer Einführung ins Prinzip Barcamp sowie einer ausführlichen Vorstellungsrunde haben wir uns nach dem Abendessen zusammengesetzt, um alle auf den gleichen Kenntnisstand zu setzen, wie Etherpads und Twitter funktionieren. Die Etherpads zum kollaborativen Erarbeiten von Texten im Internet sollten dazu dienen, die einzelnen Sessions zeitnah und vor allem gemeinsam zu dokumentieren, und sie der Öffentlichkeit nachhaltig verfügbar zu machen. Twitter bietet außerdem eine gute Möglichkeit, Inhalte schnell zu kommunizieren und sich untereinander auszutauschen. Einige Teilnehmende waren schon Twitter-kundig und konnten den Anderen ihre Erfahrungen damit vermitteln. Etherpads waren für fast alle etwas Neues. Beide Werkzeuge wurden direkt und mit Enthusiasmus ausprobiert.Sessionplan

Samstag: Der Tag begann mit der für ein Barcamp üblichen Sessionplanung am Morgen. Wir hatten am Vorabend bereits Ideen zusammengetragen, sodass wir nicht bei Null anfangen mussten. Außerdem gab es im Vorfeld schon einige Ideen im Forum der Mixxt-Community. Der Sessionplan füllte sich schnell, und es wurde deutlich, dass einiges an Themen auf den Sonntag geschoben werden musste. Zusätzlich zu den offenen Sessions hatten wir zwei Gäste vor Ort, einen Gast zum Thema kreative Protestformen, Jana Ballenthien, sowie Christoph Kappes, der uns umfassende Informationen über die Entwicklungen in Bezug auf das Thema “Internet und Gesellschaft” lieferte. Dies stellte sich als sehr sinnvoll heraus, um sich erst einmal einen allgemeinen Überblick zu verschaffen.

Nach dem “offiziellen” Teil mit den Sessions bis zum frühen Abend gingen die Diskussionen noch weiter: beim Abendessen und danach wurden die angesprochenen Themen weiter geführt. Einige Teilnehmende schauten im Anschluss noch politische Dokumentationen zu Themen wie Kinderarbeit und Trinkwasserhandel. Ein ausführliches Volleyball-Match mit der gesamten Gruppe und am Lagerfeuer sitzen bis spät am Abend rundeten den letzten Abend ab. Schön für uns als OrganisatorInnen: viele der Teilnehmenden merkten an, dass sie gar nicht mehr nach Hause wollten, weil es ihnen so gut gefiel. Der Tweet eines Teilnehmenden verdeutlicht das ganz gut:

Sonntag: Wieder eine Sessionplanung, wieder viel zu wenige Stunden für die vielen Themen. Der Sonntag ließ uns weniger Zeit als der Samstag, sodass wir uns darauf einigten, am Vormittag nur zwei Sessions zu machen und die Zeit nach dem Mittagessen für eine ausführliche Nachbesprechung und weitere Planung für die Zukunft zu nutzen.

Am Samstagabend beim Lagerfeuer und auch bereits in den Sessions sind verschiedene Ideen entstanden, wie die Gruppe, in der sich auf Anhieb alle sehr gut verstanden, auch über das Barcamp hinaus vernetzen und organisieren kann. Konkretes Thema, das alle interessierte und besonders nahe ging, ist die Situation von Flüchtlingen in der BRD. Eine Session zu dem Thema und die Diskussion mit den drei Anwesenden von Jugendliche ohne Grenzen bzw. ihre Erlebnisberichte waren Ausgangspunkt dafür, dass die Gruppe sich auch nach dem Barcamp vernetzen will und JOG bzw. ihr Anliegen zu unterstützen. Was daraus konkret entsteht, darüber werden wir noch berichten. Geplant ist auf jeden Fall u.a. ein weiterer Workshop, um die Jugendlichen mit verschiedenen Social Media-Bereichen vertrauter zu machen (z.B. Blogggen lernen), damit sie dies für ihr politisches Engagement nutzen können.

 

Zur Gruppengröße

Die Anmeldung für das JugendPolitCamp lief schleppend an. Was wir uns nicht erwünscht hatten: nach diversen Abmeldungen und kurzfristigen Absagen ist die Gruppe deutlich zusammengeschrumpft. Die Enttäuschung, dass sich nicht die gewünschten 60 jungen Menschen vom 8.-10.6. im ABC eingefunden haben, sondern nur knapp 20, ist allerdings schnell verflogen. Die Euphorie der Teilnehmenden und die Vernetzungen über die Veranstaltung hinaus zeigen, dass man nicht eine große Gruppe braucht, um zu vielen guten Ergebnissen und neuen Ideen zu kommen.

Letztendlich fragen wir uns natürlich schon, warum eine langfristig überregional bekannt gemachte und kostenlose Veranstaltung, die vielfach in verschiedenen Medien und an die unterschiedlichsten Zielgruppen herangetragen wurde (von Jugend-Parteiorganisationen und verschiedensten anderen Organisation, über Schulen, engagierten Einzelpersonen hin zu Hochschulgruppen usw.), auf eher geringes Interesse stößt. Die Frage beantworten wir uns selbst zum einen mit dem Veranstaltungsformat Barcamp. Jugendliche und junge Erwachsene kennen das Format in der Regel nicht, sodass die Hemmschwelle wahrscheinlich hoch ist, sich anzumelden. Es gibt kein festgelegtes Programm, man weiß nicht im Voraus worauf man sich einläßt, das Ganze erfordert ein gewisses Maß an Eigeninitiative. Zum anderen sind die Wochenenden vor allem im Sommer natürlich mit diversen anderen Events gefüllt – so fand z.B. der ACTA-Aktionstag an diesem Wochenende statt und hielt einige Interessierte davon ab, zu uns zu kommen.

 

 

Die Sessions
Dass eine kleinere Gruppe nicht weniger Ideen haben muss, zeigt die Sessiondokumentation auf unserer Mixxt-Seite, dort kann man alle von den Teilnehmenden selbst geschriebenen Protokolle nachlesen.

Im Gegenteil – das Wochenende reichte nicht aus, um all die Ideen zu besprechen, die die Teilnehmenden mitbrachten bzw. die sich im Laufe des Wochenendes entspannen. Der Wunsch nach einem baldigem längerem Barcamp wurde schnell laut. Sessionimpressionen

Die Sessions haben ein recht breites Themenspektrum abgedeckt, von Politikverdrossenheit, über Podcasten und Umweltschutz, Flüchtlingsarbeit, kreativem Protest, das gemeinsame Schauen von Dokus z.B. zu Wasserknappheit, hin zu Globalisierung, Flüchtlingsarbeit und Liquid Democracy sowie einigem mehr.

 

Das Veranstaltungsformat Barcamp

Wir waren sehr gespannt darauf, wie ein so offenes Format, welches Eigeninitiative von den Teilnehmenden fordert, von den Jugendlichen aufgenommen wird. Es hat sich wieder einmal gezeigt: ein Barcamp ist im Prinzip ein Selbstläufer. Wir haben den Rahmen geboten, das Format erklärt und die Infrastrukturen gesichert, die Themen sprudelten fast von alleine.

Als sehr sinnvoll zeigte sich, vor Beginn der Sessions, also am ersten Abend, eine Einführung in Dokumentationsmöglichkeiten für Sessions sowie eine Einführung in Twitter zu machen. So konnten alle gleichermaßen daran teilhaben, die Veranstaltung zu dokumentieren und darüber zu kommunizieren.

 

Fazit

Im Nachhinein läßt sich festhalten, dass das #jpc ein voller Erfolg war. Das ist vor allem auf die sehr engagierte und lebendige Gruppe zurückzuführen.Feedback-Runde Es hat sich wieder einmal gezeigt – das JugendPolitCamp ist ja schließlich nicht das erste Barcamp im ABC – dass das Format vielfältige Möglichkeiten bietet, in einem offenen Rahmen Lernerfahrungen zu machen und Vernetzungen zu ermöglichen. Offene Themen vom diesjährigen JugendPolitCamp haben wir genug – schließlich wollen quasi alle Teilnehmenden nächstes Jahr wieder dabei sein, dann werden wir an die Arbeit von diesem Jahr anknüpfen.

Insofern freuen wir uns sehr darüber, mit diesem ersten JugendPolitCamp den Grundstein für die kommenden JugendPolitCamps im ABC gelegt zu haben. Mit begeisterten Teilnehmenden als MultiplikatorInnen und sogar schon einigen InteressentInnen für das Orga-Team fürs nächste Jahr haben wir dafür gute Voraussetzungen.

An dem Wochenende sind viele Ideen entstanden, über die wir hier weiter berichten werden. Wir steigen nun schon bald in die Planungen für das nächste #jpc ein, legen den Termin fest und werden berichten!

 

…und zu allerletzt noch einmal vielen Dank an alle Teilnehmenden, hat wirklich sehr viel Spaß gemacht mit euch!

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  1. 1. Orga-Treffen vom JugendPolitCamp: 1. Februar 2013 » Netz-B

    [...] Das erste #jpc hat im Juni 2012  stattgefunden. Wer sich einmal anschauen möchte, was dort passiert ist, findet hier Notizen zu den einzelnen Sessions. Einige Fotos von der Veranstaltung findet ihr bei Flickr und einen ausführlicheren Artikel zum #jpc12 gibt es auf netz-b.org. [...]

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